Was für ein Wochenende. Der Portimão‑Test am 13. Juli sollte eigentlich nur ein normaler Testtag werden. Aber am Ende war’s alles, nur nicht das.
Wir haben ein Riesen‑Setup gefunden, das fürs gesamte Rennwochenende gepasst hat: stabil beim Anbremsen, sauber in schnellen Wechseln, vorhersehbar am Kurvenausgang. Genau das, was man braucht. Das Setup stand.
Und dann hat uns die Realität mit einem Tiefschlag eingeholt: Ein nicht reparabler Motorschaden am letzten Testtag. Panne in Burgos. Nacht‑Umbau der Werkstatt in Portimão. Nur sechs Tage Zeit. In Portugal war in dieser Zeit kein fähiges Team für eine Motorrevision aufzutreiben. Jede dieser Hürden hätte uns stoppen können. Zack – aus der Traum vom perfekten Test.
Aber wie heißt’s so schön? Aufgeben ist keine Option.
MOTOR KAPUTT, ZEIT ZU KNAPP UND TROTZDEM WEITER
In einem absoluten Worst‑Case‑Szenario müssen Entscheidungen her, die eine ganze Saison prägen.
Unser Team und unsere Familien blieben zusammen, Schulter an Schulter. Kopf hoch, weiterplanen, improvisieren. Wir lassen keine Saison „laufen“.
Zum Glück gibt’s Freunde, die mehr sind als nur Freunde – die Ducatisti. Einer von ihnen hat sofort seine V4R hergegeben. Von Deutschland bis nach Portugal, auf den Transporter und schon ging es los.
Und wie’s der Teufel will: In Burgos, tausend Kilometer vor dem Ziel, kommt die Katastrophe. Transporter kaputt. Totalausfall. 22 Uhr die Nachricht: „Das Ding ist
kaputt.“ Und um 23:30 Uhr landet Marcel in Faro.
Keine Diskussion, kein Schlaf: wir fahren. Nach Burgos zurück, Motorrad holen, dann wieder runter nach Portimão. 1 000 km quer durch die Nacht.
Donnerstagabend, 20 Uhr: Das Bike steht endlich in der Werkstatt. Danach? Durcharbeiten. Umbauen. Einfahren. Ölwechsel. Nachtschichten, Plan A, Plan B, Plan C. Und mittendrin Menschen, die einfach liefern. Um 04:00 Uhr früh waren wir fertig und um 09:00 Uhr ging schon erste Testfahrt los.
Marcel, der ankommt und handelt. Dani und mein Sohn, die Panne, Autobahn und Nacht einfach nehmen, wie es kommt. Und Shez, der Portimão buchstäblich sieht, bevor er es fährt. 1 000 km Umweg, eine halbe Nacht Umbau und ein Team, das trotz allem funktioniert.
SHEZ UND DAS WOHNZIMMER PORTIMÃO
Shez kennt Portimão wie sein Wohnzimmer. Er weiß, wo jede Bodenwelle liegt, jede Linie sitzt. Das Outfit war nicht perfekt aber die Stimmung war’s. Sonne, Meer, Fisch am Abend, Familie dabei. Acht von zehn Teammitgliedern vor Ort. Es herrschte eine unbeschreiblich ausgezeichnete, ansteckende Energie.
Jetzt zum Freitag: 150 – 200 km Einfahren, dann Ölwechsel, Renn‑Test, 15 Minuten. Alles läuft. Bis Shez reinkommt und das Bike hinschmeißt. Kein Drama, aber erstmal Schock. Trotzdem: keiner lässt sich hängen. Jeder weiß, wofür wir das tun.
Samstag dann der große Moment: Zeit‑Training, freie Session, Rennen. Shez liefert. Herzblut, Speed, Präzision.
Dieser Moment, wenn du weißt: „Das ist es.“ Genau das war’s am Samstag.
Im Sonntagsrennen hat Shez ebenso überzeugt und Rennen 2 gewonnen
Es wurde zum Saisonhighlite Danke an alle
MATCHBALL ESTORIL
Nach Portimão war klar:
Estoril3 war eigentlich nicht im Budget. Wenn wir Estoril3 auslassen, schenken wir 50 Zähler her und hoffen auf Glück. Aber das ist nicht unser Sport, das ist nicht MaWiKi. Wenn wir sagen, dass wir gewinnen können, müssen wir antreten. Also: Estoril 3 fahren, danach Estoril 4.
Mit ein bisschen Wahnsinn, Improvisation, Freundschaft und den richtigen Kontakten nach München, bringen wir das Ding durch. Motor revidiert, reingeschraubt, getestet und ab nach Estoril 3.
Am Ende ist der Titel das Resultat. Die Bedeutung kommt vom Weg dorthin:
Da haben wir geliefert. Zweimal gewonnen. Portugiesischer Superbike‑Titel.
DANKE, TEAM. DANKE, SHEZ.
Ohne das Team, ohne Shez, ohne unsere Freunde: kein Titel. Punkt.
Dieses Danke gilt zuerst dem Freund, der seine V4R hergegeben hat, als alles auf der Kippe stand. Dem Ducati‑Spezialisten in München, Adrian Saraci ASR der im Ferienchaos punktgenau die Revision hingekriegt hat.
Marcel, der in Faro landet und einfach durchzieht. Dani und Mein Sohn, die Pannen, Autobahn, Nacht, alles mitmachen. Und natürlich Shez, der Portimão im Gefühl hat, so viel umgesetzt hat und Feedback liefert, das alles besser macht.
PORTIMÃO 4 UND DANACH
Natürlich fahren wir Estoril 4. Wir sind Meister, ja. Aber längst nicht fertig. Wenn wir aus all dem eins gelernt haben, dann das: Der Weg zum Titel ist das Team, der Teamgeist und die Entscheidungen, die man auf dem Weg trifft.
Das beste Racing-Wochenende jemals. Ganz ehrlich, herausragend.
Manfred Willy Kirschler
Teamchef, MAWIKI Racing



























